Micro
Magic EM 2007 in Reuwijk (NL)
Mehrere Jahre war ich aufgrund meines
Studiums und nun aufgrund meines
Jobs nicht mehr Regatta gesegelt. Früher zusammen mit Christoph Krais
als eins
der aktivsten Teams im Piraten bekannt, jetzt nur noch tote Hose in
Bezug auf
Action auf dem Wasser. Früher stundenlanges Hängen und Schrauben an
Hippopotamus, unserem geliebten Club-Piraten, heute allenfalls
gemütliches Schippern
mit dem Schiff meiner Eltern im Sommer.

All dies habe ich Christoph erzählt der mir einen einfachen Vorschlag machte: Probier doch mal die Micro Magic (auch der Einfachheit halber MM genannt). Gesagt, getan, ich habe mir so ein „Spielzeug“ gekauft und dann mal losgelegt. Eins war natürlich klar; Es muss wieder „Hippo“ heißen und es sollte aus Sentimentalität wieder die Nummer GER – 3981 werden. Heute bin ich stolzer Besitzer einer „Hippo light“ GER – 4181 die meine Freundin segelt und einer „Hippo ZERO“ GER – 3981 die ich selber skippere, Die Namensgebung war dabei so einfach wie kreativ. Da eine MM ein stolzes Gewicht von 860 g auf die Waage bringt lag es natürlich nahe im Vergleich zu den rund 220 kg des originalen „Hippo“ das Ganze „light“ zu taufen und den Schriftzug von Coca Cola zu benutzen. Die „Hippo ZERO“ ist eine ausgereizte Version der MM, die die Regeln ziemlich optimal ausreizt und nochmals um einiges leichter ist, daher wurde auch wieder von Coca Cola das ZERO entlehnt, für noch weniger Gewicht sozusagen.

Im
Sommer standen dann die ersten Regatten an, darunter die deutsche
Meisterschaft
auf der ich 11. von 42 wurde. Das war dann Anfeuerung genug mich für
die
Europameisterschaft zu interessieren. Nach 6 Regatten war ich in der
Rangliste
soweit vorne, dass ich die Qualifikation auch ohne Nachrücker in der
Tasche
hatte. Am 1.11.07 ging es dann also frohen Mutes nach Holland in die
Nähe von
Gouda. Das deutsche Team hatte einen Bungalow in der Nähe des Clubs
organisiert, um die Gemeinschaftsunterkunft zu umgehen und in Ruhe dem
Leistungsschlaf
frönen zu können. Freitagmorgen wurde dann das erste Proberennen in der
internationalen Konkurrenz gestartet. Hierbei muss man erklären, dass es sich ja um ferngesteuerte Schiffe
handelt die alle einen
eindeutigen Kanal für den Funk benötigen, um Störungen zu vermeiden. So
ist es
schone ein schwieriges Unterfangen mehr als 30 Schiffe gleichzeitig zu
starten.
Nebenbei sind natürlich auch die Sichtverhältnisse limitiert. Wir
bekamen aber
auf jeden Fall die Gelegenheit ausgiebig Starts mit dem ungewohnt
großen Feld
zu üben und den Trimm zu überprüfen. Trimmen kann man die kleinen
Schiffe letztendlich
wie die großen über Unterliek, Kicker, Cunningham,
Mastfall, Mastbiegung,
Gewichtsverteilung, Fockspalt, etc. Nach eingen Stunden mit
Vergleichsfahrten
und Startübungen war dann der finale Trimm endlich gefunden. Als
größtes
Problem stellten sich aber der große Kurs und die Teilnehmerzahl heraus. Durch die Entfernung der Tonnen und die
vielen Schiffe konnte man im vorderen Feld am Luv- und Lee-Fass
meistens weder
sein Schiff noch die Tonnen sehen. Dies führte dann zu unfreiwillig
komischen
Aktionen wenn man weit vor oder hinter den Tonnen rundete.

Die
Regatten begannen dann am Samstag mit dem üblichen Skipperbriefing.
Dies zog
sich etwas da zum einen einige etwas kompliziertere Regeln zu segeln
waren und
zum anderen die einzelnen Teilnehmerländer zur Sicherheit eine
Übersetzung in
die jeweilige Landessprache forderten. Gesegelt wurde ein Up-and-down
in der Variante
Luvfass mit Spreader und Lee-Tor. Dies war für einige schon eine
ziemliche
Herausforderung wenn sie nur Dreieckskurse gewohnt waren. Die zweite
Herausforderung bestand in der Aufteilung. Ein Lauf bestand jeweils aus
Gold-,
Silver- und Bronze-Fleet wobei die besten sechs jeweils aufsteigen
durften. Das
Ganze zu verstehen hat mich einen ganzen Tag gekostet.
Mein
Tag fing recht gut an. Im Einteilungsrennen wurde ich 4. und
qualifizierte mich
für die Gold-Fleet. Der Wind war konstant ablandig, was bei den kleinen
Schiffen ein Vorteil ist, weil sie dann nicht in den Wellen stampfen.
Im ersten
Lauf nach dem Fleetsystem kam ich unter die letzten 6 in Gold und stieg
ab in
Silber, um dann im nächsten Lauf wieder unter die besten 6 in Silber zu
kommen
und wieder aufzusteigen, um dann…

Den ganzen Tag pendelte ich zwischen diesen zwei
Gruppen, mal aus Unvermögen und mal aus Pech nach unten und mal durch
gute
Taktik und durch Glück nach Oben. Meine Kollegen taten in etwa
dasselbe, sodass
gegen Ende des ersten Tages die meisten Deutschen in einem Pulk
versammelt waren. Zwei Kollegen
lagen vorne und so ging abends eine wilde Party (Altersschnitt
vielleicht 45)
über die Bühne. Es wurde in allen Sprachen gefachsimpelt, auch wenn es
manchmal
nur mit Händen und Füßen war. Gerade diese Faszination beim Segeln
hatte ich
gesucht und in dieser tollen Gruppe wiedergefunden. Leider hatte ich
mich bei
der Feier wieder auf beste Piratentraditionen besonnen und kräftig
zugelangt.
Am nächsten Morgen musste ich aber feststellen, dass ich nicht mehr 20
bin
(leider). Trotz einem dicken Kopf ließ sich der Tag aber gut an. Wir
zogen
zunächst mal ein paar Trainingsrunden über den See, um uns an die neue
Windrichtung zu gewöhnen. Dann inszenierten wir ein kleines
Aufwärmhüpfen und
Armkreiseln auf dem Steg, sehr zum Spaß der Konkurrenz. Diese war aber
in der
Folge auch gleich geschockt als ich dann einen Laufsieg in der
Silberflotte
gefeiert habe. Die umstehenden Skipper dürften vermutlich immer noch
taub sein,
nachdem ich meine Freude in einen etwas lauteren Freudenschrei gesteckt
hatte.
Im anschließenden Goldlauf lag ich auch lange in Front (geschätzter
Puls 160,
Zittern am ganzen Körper), bis mich ein kurzer Abriss der
Funkverbindung auf
Platz 10 zurück warf. Für einen kurzen Moment reagierte das Schiff auf keine Signale mehr und
kreiselte vor sich hin. Die
anschleißende Aufholjagd brachte noch 2 Plätze und den Verbleib im
Goldlauf.
Danach ging es dann aber mangels Wind nur noch schleppend voran und der
Goldlauf blieb außer Reichweite. Bei der abschleißenden Siegerehrung
blieb das
gewohnte enge Päckchen Deutscher auf 21, 22, 23 mit mir als 22. Die
beiden
ersten waren ebenfalls aus unserem Team und der Rest fand sich verteilt
in der
hinteren Hälfte wieder.

Fazit
nach dieser Regatta und einiger gewonnener Erfahrung mehr:
Die MM ist ein wunderschönes Schiff für Leute die gerne Regatta segeln
aber aus zeitlichen Gründen oder mangels Vorschoter nicht können oder
wollen. Die
Kosten belaufen sich auf 135 ¤ für den Bausatz (so ein Boot wurde
Zweiter) und
vielleicht 100 ¤ für die Steuerung, Batterien und Servos. Insgesamt
also ein
verhältnismäßig billiges Vergnügen. Dafür bekommt man viel Spaß auf den
Regatten die meistens nur einen Tag dauern, eine gute Konkurrenz und
bis zu 20
Läufe am Tag. Die Leistungsdichte ist je nach Revier recht hoch
(insbesondere
im Rheinland) und die Leute sehr nett und immer hilfsbereit. Das Schiff
passt
aufgetakelt in ein Auto und die Bauzeit beläuft sich auch bei Ungeübten
auf 2
Tage. Nach den deutschen Klassenregeln sind dem Tuning kaum Grenzen
gesetzt
aber auch ein ungetuntes Boot ist eindeutig siegfähig. Der Segler macht
auch in
dieser Klasse den Unterschied. Regatten werden auch über den Winter
angeboten,
sodass es auch für die Regattacracks eine lohnende Investition sein
kann, um
während der Wintermonate zu segeln.
Länge:
53 cm
Tiefgang: 13,5 cm
Masthöhe: 80 cm
Gewicht: ca. 860 g