Ostern in Lauwersoog
Dem alljährlichen Drang folgend machte sich ein Trupp Jollen-Segler Ostern 2007 wieder auf den Weg in die Niederlande/Lauwersoog. Dabei waren 25 Erwachsene und 5 Kinder mit folgenden schwimmenden Sportgeräten: 2 x 470er, 2 x Korsar, 4 x Europe, 1x Optimist inkl. Motor, 4 x OK und 1x Windy.
Am Freitag Nachmittag trafen die meisten Segler im Segelparadies Holland ein. Manche waren allerdings schon seit einigen Tagen vor Ort. Die Anreise verlief ohne nennenswerte Verluste. Als nächstes hieß es die Boote einsatzbereit zu machen. Anschließen stand der Bezug der „sauber“ (inkl. Haustiere) vorbereiteten Häuser an. Bei strahlendem Sonnenschein und Windstärken um die drei bis vier Bft. waren die meisten Segler nicht mehr an Land zu halten. Der erste Tag verlief auf dem Wasser ohne jegliche Komplikationen, was sich aber in den folgenden Tagen ändern sollte. Nach mehreren Stunden Kampf mit Wind und Welle wurden die Segler vom knurrenden Magen Richtung Land getrieben, an dem schon der Grill zum alljährlichen Steakgrillen angefeuert wurde. Auch die Teilnehmer des ersten dynamischen Gruppenduschens mit entsprechender erhöhter Geräuschkulisse, konnten pünktlich zum Grillabend erscheinen. Nach einer wahren Steakschlacht (an dieser Stelle noch mal Danke an Jörg P. `s Mutter!) und dem ein oder anderen Bierchen wurde um Mitternacht in den Geburtstag des Pilsministers hineingefeiert. Die ausgelassene Stimmung hielt noch bis in die frühen Morgenstunden an.
Der Samstagmorgen begann für alle im Haus 1 mit einem Frühstück, dass von Proviantchefin Elfi mit Helfern vorbereitet wurde. Die ersten Tabletten aus diversen Reiseapotheken wurden konsumiert um die Nachwirkungen des Vorabends zu kompensieren, die allgegenwärtig waren. So nahm Rollo komischerweise seine Sonnenbrille während des gesamten Frühstücks nicht ab und Carsten verschwand nach wenigen Bissen wieder Richtung Bett (Stichwort: „Selbstgemachter Wein“). Dann rief die See wieder nach uns und wir folgten ihrem Ruf bei 3-4 Bft., 20 Grad und Sonne pur. Da der Vorschoter des Club 470er partybedingt am Vormittag ausfiel, besetzte Nils mit Olaf dessen neu Instand gesetzten Korsar um eine Testfahrt zu riskieren. Nach wenigen Minuten konnte Olaf an der Pinne im Schiffsinneren quasi schwimmen, da der Schwertkasten undicht war und zudem Wasser in den Doppelboden gelangte. Dadurch bewegte sich das Schiff wie ein gestrandeter Wal und die Besatzung entschloss sich mit dem zum U-Boot gewordenen Korsar mit Stil unter Spi die Rückreise anzutreten, bevor das Schiff ganz auf Tauchfahrt gehen sollte.
Im weitern Verlauf des Tages kaperten Jens und Claudia mit den Kindern einen Falken. Bei der anschließenden Tour ging Claudias Kappe über Bord, ein nötiges Kappe-über-Bord Manöver blieb aus. Elfi stopfte in der Segelpause am Mittag erfolgreich alle hungrigen Mäuler mit Bratkartoffeln. Zudem stiftete das Geburtstagskind Gonzo 2 Fässer Bier, so dass ein Hauch von Oktoberfestfeeling in der Luft lag, als der Fassanstich in der Mittagspause erfolgte. Nach der durch Elfi durchgeführten Krankenpflege (Milchbrötchen und Tee) für die besonders schweren Fälle der Nacht, konnte sich auch diese ab dem Nachmittag, bei Kaiserwetter, wieder den sportlicheren Dingen auf dem Wasser widmen. Insofern konnte das Hochleistungssportgerät „Bo Peep“ zum Nachmittag auch wieder mit der Partycommanderbesatzung Carsten und Nils in See stechen.
Am Samstag Abend wurden die restlichen argentinischen Rindersteaks von Bratmaxe Gonzo gourmethaft zubereitet und von allen vertilgt. Nachdem der Vorrat an Feuerholz zuneige ging, bekam Ralf G. den Auftrag entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Im Rahmen der Operation „Feuerholz“ verschwand Ralf G. dann geraume Zeit, um anschließend auf Grund der guten Kontakte zur einheimischen Bevölkerung mit entsprechendem Nachschub wieder aufzutauchen. Zudem hatte Jens die zündende Idee, dem alljährlichen Ritual folgend, den allseits bekannten und beliebten (oder Rollo? ;-) ) Feuertroll zu entflammen. Der Troll widersetzte sich qualmend und stinkend diesem Vorhaben, doch irgendwann gab er auf und fing Feuer. Nach dem Grillen sorgte Hermann für einen langen wie auch musikalischen gelungenen Tagesabschluss. Nach dem ca. 95. Bier gab Rollo gesanglich sein Bestes mit einem dänischem Kudder-Lied.
Zum Sonntag drehte der Wind westlich und nahm in der Stärke bis auf sieben Bft zu. Der Wille der Segler kannte nur noch eins: Raus aufs Wasser, doch nur noch die Verwegensten hatten auch den Mut dazu. Die Bademeister Carsten und Nils machten kentertechnisch den Anfang eines spektakulären Segeltages. Im weiteren Verlauf des Actiontages kam es zu zahlreichen Kenterungen. So gingen Diana und Richard zur Mittagszeit mit ihrem 470er baden. Aufgrund der geringen Wassertiefe und dem starken Wind gab es kleine Probleme beim Aufrichten. Aufgrund dessen führten Gonzo und Tim mit Martins Rettungsopti (Opti mit 2,3 PS Außenborder) die erste Rettungsaktion des Tages durch. Nachdem der 470er wieder mit dem Schwert nach unten schwamm, ging es für die Crew ab unter die wohlverdiente heiße Dusche. Der nächste Darsteller des Tages hieß Christian. Dieser wagte sich zuvor mit seiner Europe zusammen mit Martin auf die offene Seefläche und hatte aufgrund der starken Welle Probleme auf dem Vorwindkurs den Heimathafen anzulaufen. Aufgrund dessen organisierten Martin und Nils ein kleines Motorboot der angrenzenden Segelschule um die zweite Rettungsaktion zu starten. Nachdem die beiden mit dem 6 PS Außenbordermotorboot unter Kommando eines ausschließlich Englisch sprechenden Segellehrers durch die hohen Wellen zu Christian durchgekämpft hatten, wurden Martin und Nils im Brusthohen Wasser abgesetzt, um zusammen mit Christian das Segel der Europe zu bergen. Das Motorboot schleppte anschließend die Europe mit dem letzten Tropfen Benzin in den Heimathafen.
Nachdem sich alle mehr oder weniger Heil (von ein paar blauen Flecken abgesehen) wieder an Land eingefunden und gestärkt hatte, wollte es Jens und Carsten mit dem 470er noch mal wissen. Nach einigen Minuten Riss das Trapez und der Vorschoter Jens versank in den Fluten. Aufgrund des plötzlichen Gewichtsverlustes auf der Kante kenterte Carsten mit dem 470er, wobei an Land das sich anbahnende Schauspiel verfolgt wurde. Als nach geraumer Zeit der 470er immer noch nicht wieder aufgerichtet war, entschieden sich Gonzo und Nils den Motoropti zur dritten Rettungsaktion startklar zu machen. Auch deshalb, da der Vorschoter sich auffällig weit weg von Schiff entfernt hatte und keine Anstalten machte, sich Richtung Schiff zu bewegen. Nachdem Gonzo und Nils sich mit dem 2,3 PS – Opti zu der gekenterten „Bo Peep“ Besatzung durchgekämpft hatten, stellten diese fest, dass Jens einen etwas unentspannten Eindruck (kalkweißes Gesicht mit blauen Lippen) machte, da die Badetemperatur mit Sicherheit nicht im zweistelligen Bereich lag. Hinterher stellte sich heraus, dass die weiße Gesichtsfarbe von der Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50plus her rührte. Jens wurde deshalb zuerst in den Opti gezogen, woraufhin sich schnell herauskristallisierte, dass dieser mit 3 Leuten eindeutig überladen war. Aus diesem Grund hielt Gonzo mit dem Opti auf den gekenterten 470er zu, um Nils dort abzusetzen, damit dieser Carsten beim Aufrichten und zurücksegeln unterstützen konnte. Carsten schaffte es aber vorher das Schiff alleine wieder aufzurichten und segelte den 470er entgegen dem ursprünglichen Plan einhand unter voller Besegelung zurück zum Strand. Insoweit traten Gonzo, Nils und Jens im Motoropti die Rückreise zum Strand an. Nach wenigen Minuten kam wegen der Überbeladung immer mehr Wasser ins Schiff. Gonzo trieb Nils zum Höchstleistungspützen an, doch nach kurzer Zeit lief das Schiff voll und versank inklusive Motor im Meer, so dass sich die 3 köpfige Besatzung schwimmend zwischen einem Benzinkanister, einem Paddel und Seilen im Meer wieder fand. Nach kurzer Zeit tauchte der Holzopti wieder auf und konnte mit vereinten Kräften wieder an die Wasseroberfläche gebracht werden. Das Schiff war noch gekentert, trieb nun aber als Rettungsinsel vor den Schiffsbrüchigen her. Nach einer kurzen Lagebesprechung kam man überein, dass man sich unter Berücksichtigung von Wind und Welle an den gegenüberliegenden Strand treiben lassen wollte. Dieser Plan ging auf, so dass sich die Gestrandeten nach kurzer Zeit im Brusttiefen Wasser wieder fanden. Nun wurde der Opti umgedreht und unter lautem Gesang leergeschöpft. In der zwischen Zeit hatte Claudia wiederholt das Motorboot der Segelschule organisiert (man hätte eine 10er Karte für das Motorboot kaufen sollen), mit dessen Hilfe der Opti und Jens an Land transportiert wurden. Da in dem Motorboot nur Platz für einen Geretteten war, schwammen bzw. wateten Gonzo und Nils, unter der Beobachtung einiger Schaulustiger, durchs Wasser bis zum Land.
Nach dem abendlichen Nudelessen versuchte Gonzo zunächst vergeblich, den zweiten mitgeführten Troll in Brand zu setzen. Dabei stellte sich heraus, dass es sich hierbei anscheinend um einen „Flauten- Troll“ handelte, da dieser aufgrund der Windverhältnisse erst durch Tätscheleinheiten von Susanne M. zum Brennen gebracht wurde. An diesem Abend verschwanden alle Segler mehr oder weniger früh in den Kojen, da der Tag doch etwas anstrengend war.
Am Montag morgen wurden nach dem gemeinsamen Frühstück die Häuser geräumt, Boote abgebaut und die Autos beladen. Nach der Heimfahrt trafen wir pünktlich zum Osterkaffeetrinken im SCST – Clubhaus am Halterner Ozean ein.